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 Bin G-Laden

Leistungsgewicht wie ein Bergrenner – 78er Polo

Wenn 685 Kilogramm auf 140 Pferde treffen, kommt die wahre Freude auf. Manuel Gräfe baute aus einem 40 PS Polo ein Spaßmobil ohne Ambitionen für motorsportliche Wettbewerbe. Vom ursprünglichen Polo L steht nur noch die Karosserie und selbst die musste der Leistung angepasst werden.

Der letzte von vielen Vorbesitzern war ein junger Kerl, dem die 40 PS des Polo L nicht unbedingt in Begeisterungsstürme versetzten. Für 2500 Euro wechselte der einst kleinste Volkswagen seinen Besitzer. „Wir begannen gleich am nächsten Tag mit der Demontage“ erinnert sich Manuel. Mit „wir“ schließt er Kumpel Sebastian Neubauer mit ein, der zu jener Zeit seinen Kfz-Meisterlehrgang ablegte. Die Eile hatte ihre Gründe. Manuel hatte nämlich seinen 1992er Polo G40 (Typ 86c 2F) kaltverformt und wollte so schnell wie möglich wieder auf eigenen vier Rädern stehen. Die Karosserie des „2F“ war zwar hinüber, nicht jedoch das Innenleben. Es galt zunächst, Technik und Mechanik des Zweiers in den Einser zu transferieren.

Sowie auch den Käfig, an dessen Einbau sich Manuel am liebsten erinnert. „Ich setzte mich zunächst mit Wiechers in Verbindung, inwieweit eine Übernahme möglich wäre“, berichtet er. Die Antwort fiel negativ aus. Er probierte es dennoch und siehe da, der Käfig passte sogar besser als in seinem Unfaller zuvor.

Der vom Spender übernommene Motor war nach einem Schaden bereits von SLS in Hofgeismar komplett revidiert und mit Übermaßkolben bestückt worden. Beim Einbau in den Einser ging es verdammt knapp zu. Um eventuelle Reparaturen am G-Lader oder Motor durchführen zu können, fiel die Entscheidung für einen leicht demontierbaren Schlossträger. Als sichtbares Zeichen des eigentlich nicht vorhandenen Platz für den G-Lader erkennt man die Öffnung im Grill, deren Streben Manuel eigenhändig aussägte. In der Saison 2015 quittierte der G-Lader seinen Dienst, da beide Verdrängerhälften zerstört waren. Im Austausch gegen das Altteil holte er sich bei VAG einen werksneuen Lader, den er wiederum bei SLS bearbeiten ließ. Deren Umrüstung auf Zahnriementrieb besitzt den Vorteil, dass der Lader absolut ohne Schlupf arbeitet. Des Weiteren wird ein kleineres Laderrad verwendet mit dem daraus resultierenden Effekt eines noch schnelleren Ansprechens im unteren Drehzahlbereich.

Dieser G40 tobt ab Leerlauf wie eine Wildsau im Vergleich zu einem Turbolader, der wesentlich höhere Drehzahlen verlangt. Laut Prüfstand wuchtet die Maschine satte 140 PS auf die Kurbelwelle, wobei Luftfilter, Fächerkrümmer und die gekürzte Edelstahlanlage eines 86C 2F ihren Beitrag dazu leisten. Da die komplette Vorderachse des Unfallers übernommen werden konnte, entsprechen die Bremsen dem um innenbelüftete Zimmermann-Scheiben erweiterten G40-Standard. Am Heck wurden die großen Trommeln des originalen G40 installiert.

Abgesehen von der dem G-Lader geschuldeten Frontpartie und der Tieferlegung mit breiteren Rädern könnte der 78er Polo durchaus als originalnahes Exemplar der „Alten Schule“ durchgehen. Das grenzwertig fette 13 Zoll ATS Classic Räderwerk mag verdammt gut aussehen, besitzt jedoch einen Nachteil: Die hohe Umlaufzahl der kleinen 195/45x13 Contis verhindert die Grüne Schadstoffklasse, die an Hand des Kats möglich wäre. Die Radläufe passte Manuel dem breiteren Rädern an. Den schwierigsten Umbau jenseits der Technik verursachten die Heckleuchten. Aus dreipaar zerschnittenen Leuchten klebte Manuel seine individuelle Gläserkonfiguration, wobei Farbe der Glaser und die dahinter liegenden Funktionen in grünen Bereich der Bestimmungen liegen. Neben breiten Rädern und tiefem Fahrwerk besticht die Optik mit dem Lack „Panamabraun“ aus der Volkswagen-eigenen Farbpalette.

Selbst der Innenraum spricht die Sprache eines Bergrenners oder Pylonenhengst und es ist schier unglaublich, dass dieser Giftzwerg nicht im Motorsport unterwegs ist. Der zum 2-Sitzer umgebaute Innenraum lockt den in  Sparco-Retro Gestühl festgezurrten Fahrer direkt in kurvige Landstraßen. Das nicht zu kleine 35er Momo Lenkrad liegt gut in der Hand. Und trotz aller Sportlichkeit wird dem Auge genüge getan. Das Cockpit korrespondiert vor allem mit den Augen Audi-Fahrer alter Schule, die bereits mit dem älteren Bruder Audi 50 in der aufgewerteten GLS-Version unterwegs waren.  

Das mit Drehzahlmesser ausgestattete Instrumentarium wird heutzutage hoch gehandelt“ erfahren wir und suchen den Innenraum nach weiteren Feinheiten ab. Vier Zusatzinstrumente in der Mitte des Armaturenbretts dienen dem Wohl des Motors sowie der Optik zugleich. Den auffallenden Shifter bietet CSP für Käfer, Karmann und Konsorten an. Er passt genauso zum sportlichen Ambiente wie die Alu-Fußstütze, auf der der Copilot seine Gehwerkzeuge entspannen kann. Freilich wird der panamabraune Polo ab und zu von der Grünen Fraktion angehalten. „Die bekommen viel zu lesen“ grinst Manuel und deutet auf seine mehrseitige Zulassungsbescheinigung Teil I, wie der gute alte Kfz-Schein heutzutage heißt.

VW Scene Facts
Typ: VW Polo L (Typ 86)
Baujahr:  1978
Motor:  Reihenvierzylinder, original 1272 ccm plus Übermaßkolben, K&N 57i Luftfilter, Spal-Lüfter, Ladeluftkühler unter Stoßstange, 11-reihiger Ölkühler von Mocal (zwischen Grill und Kühler), G40-Spirallader mit Zahnriementrieb und kleinerem Laderrad, Schrick Nockenwelle (252er Einlaß, 276er Auslaß), elektrische Einspritzung (Digifant), Wischwasserbehälter versteckt, polierter und lackierter Ventildeckel, Wiechers Domstrebe,
Auspuff:  Fächerkrümmer von Knobloch Motorsport, Rennkat, gekürzte Gruppe A Edelstahlanlage Supersport (für Polo 87C 2F)
Leistung:  140 PS
Getriebe:  5-Gang G40-Getriebe, G40-Kupplung,
Fahrwerk:  Polo Typ 86c G40, Vorder- und Hinterachse FK Federn VA 80mm mit Tieferlegungsfedertellern 20 mm von Bonrath, HA ursprünglich 60mm vom Hersteller gepresst auf 80mm. Dämpfer: rundum Koni gelb gekürzt VA im eingebauten Zustand härteverstellbar
Bremsanlage:  G40-Sättel mit gelochten und innenbelüfteten Zimmermann Scheiben / G40-Trommelbremsen Stahlflexbremsschläuche von Zimmermann
Felgen:  ATS Classic in 7x13 ET 20, 8x13 Zoll ET 1
Reifen:  Conti Sport Contact 195/45x13 umlaufend
Karosserie:  Kühlergrill für G-Lader bearbeitet, Kotflügel und Seitenteile gebördelt und leicht gezogen, Lackierung original L12A Panamabraun von VW
Interieur:  Umbau zum 2-Sitzer, Sparco Retro-Sitze, geschüsseltes 35er Momo Lenkrad, Instrumentarium Audi 50, raidhp Zusatzinstrumente (Ladedruck, Öldruck, Öltemp, Benzin/Luft-Gemisch), Sparco Alu-Fußmatten, OMP Racing Pedale, Käfig von Wiechers, CSP Shifter
HiFi:  unnötig
Sonstiges:  Rückspiegel original, Heckleuchten aus drei Paar original Rückleuchten geklebt

Text & Fotos: Michael Kolb

 
 
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