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 Verdammt nah dran

Optisch perfektes Replikat eines Superstars – Audi 80 STW Italia

Wir schreiben das Jahr 1996. Der Italiener Emanuele Pirro hängt mit einem Audi 80 Quattro gnadenlos die Konkurrenz ab und schafft bereits im vorletzten Rennen die Meisterschaft des Super-Tourenwagen-Cup. Beeindruckt vom Erfolg des Audis wird Christian Leber von einer einzigartigen Idee überfallen: Den STW Italia baue ich nach.

„Meine Familie hat den Audi-Virus auf mich übertragen“ gesteht Christian. Sein allererstes Auto war ein Audi 80 Coupé, bevor er auf ein S2 Coupe umstieg. Nach einem Unfall im Jahr 2012 rettete er alle verwertbaren Teile des S2, um sie in einem Nachfolgemodell wieder aufleben zu lassen. Anfangs spielte er mit der Überlegung eine RS2 Limousine zu bauen. Bei der Suche nach Ideen rutschte ihm ein Bild eines STW Fahrzeugs über den Monitor. Er Informierte sich über die Rennserien, die Fahrzeuge und die Fahrer. Eine einmalige Idee war geboren und die Zeit war gekommen, ein passendes Fahrzeug zu finden. Es musste schließlich eine echte Competition in Silber ohne Schiebedach sein. Als Motor-Talkler, so wie man unten in Bayern zu Mitgliedern von Motor Talk zu sagen pflegt, fand er einen Blog über besagtes Auto. Auf dieser Plattform lernte er Moderator Constantin kennen, einen Audi-Fahrer mit Hang zu Besonderem. Dessen Sondermodell „Competition“ in S2-Karosse baute Audi zwecks Homologation für die STW in einer Auflage von 2500 Einheiten. Mit 2,0 Liter Hubraum und 16 Ventilen ließ der „Competition“ 140 Pferden freien Lauf, die dank Differenzialsperre und Allradantrieb im Zaum gehalten wurden. Karosserieschäden und letztendlich ein Knacks im Zylinderkopf motivierten den Moderator, ein Verkaufsgespräch mit potentiellen Käufer Christian zu intensivieren.

Ein besser geeignetes Fahrzeug hätte Christian nicht finden können. Abspecken und Teilesuche gingen Hand in Hand. Nach und nach fanden sich Motor, Sitze, Schaltknauf, Felgen, Bremsen und so weiter in Christans Lager ein. Glücklicherweise bekam er die Gelegenheit zum Fotografieren eines Originals. Mit dem Maßband ermittelte er Abstände zwischen Aufklebern, um dem Lackierer millimetergenaue Vorgaben liefern zu können. Kein einiger Aufkleber beleidigt das Blech der ehemals silbernen Karosse.

Jeder Buchstabe, jedes Logo, jede Fläche platzierte Rick von RTS-Tuning an der Stelle, die den Nachbau vom Original nicht unterscheiden lässt. Mit den Worten „So etwas werde ich dir nie wieder lackieren!“ durfte Christian das frisch lackierte Auto in Empfang nehmen.  Eigentlich ist mein STW eine Verbesserung zum 1994er „Italia“ bemerkt er. Er nutzte das Reglement für die original Heckflügelerweiterung und den Frontlippenspoiler und griff bei Motor und Getriebe auf die aus dem Rallyesport bewährten 5-Zylinder zurück.

Die großen Unterschiede von Original zu Nachbau beginnen unter der Haube. Hatte Audi bei dem 1993er STW einen 4 Zylinder 2.0l Saugermotor mit 285 PS im Einsatz, griff Christian auf den Reihen-Fünf-Zylinder 20VTurbo des RS2 zurück. Mit einer gewünschten Leistung von weit mehr als 500 PS im Hinterkopf, revidierten er und seine Crew (Xaver und Dominik) das Motorkonzept. Ein 2,5 Liter Dieselblock (AEL) erfuhr eine komplette Überarbeitung inklusive hohl gebohrten Nockenwellen und eigens gefertigter Kurbelwelle. Der quasi Quadratbhuber mit 82,5mm ermöglicht nun eine Schalt-Drehzahl bei 9.500 Umdrehungen.

 Die komplett in Alu gebaute Ladeluftverrohrung wird nur an den Bewegpunkten mit Silkon-Kurzverbindern geführt. Das Saugrohr traf als Bausatz ein. Rohrbögen mussten angepasst und verschweißt werden. Bei Versuchseinbauten ermittelte die Crew die Position der Eigenbauhalterungen für die Nukerail (Einspritzleiste). Ähnliches gilt für die verstärkten Getriebehalterungen, die von „Schachti“ gemäß CAD-Konstruktionszeichnung aus dem Vollen gefräst wurden. Letztendlich stimmte Christian alle relevanten Daten wie Einspritzmenge, Lamda, Ladedruck, Zündwinkel etc auf dem Beifahrersitz via Laptop ab.

Möglicherweise ist dieser Audi der einzige „Nicht-Rennwagen“ der Marke mit kompletter Bremsanlage aus Keramik, bestückt mit modifiziertem Sattelhalter sowie zweitem hinteren Handbremssattel. Ein weiterer Unterschied von Original-STW zu dem Straßenfahrzeug mit Zulassung sind die Felgen. Anstatt Zentralverschluss in BBS-Optik kommen hier BBS LeMans im Lochkreis von 5x112 (Audi S2) zum Einsatz. Um das Fahrzeug noch agiler zu machen, floss viel Hirnschmalz in das Fahrwerk. Verstellbare Domlager und Uniball-Querlenker an der Hinterachse bewirken auf der Seite des Einfederns eine längere Spur und gegenüber eine kürzere, um eine Nachlaufstellung des Radträgers auf der Hinterachse zu erzeugen. Im Vergleich zum Serienfahrzeug ist eine um 50 Prozent höhere Kurvengeschwindigkeit möglich.

 

Von wegen ausgeräumter Innenraum. Die alltagstaugliche Mischung aus Komfort und Sport ermöglicht lange Anfahrten zu Treffen. Den Beweis hierfür treten Sitze des Porsche GT3, Türverkleidungen sowie Fußmatten aus Alcantara an.

Notwendiges Instrumentarium im Blickfeld des Piloten informiert über den Stand der Dinge, inklusive Anzeige des zusätzlichen Öldruckspeichers. Der CAE-Shifter gehört zu den ersten seiner Art, die von CAE-Chef Christian Auer entwickelt wurden. In Anlehnung an den STW entstand der Heigo Käfig direkt beim Hersteller, allerdings nur mit einer Schrägstrebe am Einstieg. Ansonsten lautete die Devise „Abspecken“.

Ein um 10kg erleichterter Kabelbaum, Titanschrauben und eine Mini-Batterie im ausgeräumten Heckraum drücken das Gesamtgewicht auf 1240 Kilogramm inklusive Fahrer und vollem Tank. „Findet man dich auf der Rennstrecke?“  „Ehr selten“ meint Christian. Der Audi ist viel zu wertvoll zum Verheizen. An erster Stelle stehen der Spaß am Bauen und der Spaß am Fahren.

Audi -Facts:
Typ: Audi 80 Competition Quattro (2500 limited)
Baujahr: 1993
Motor: Reihen-Fünf-Zylinder 20VTurbo (Typ ADU aus RS2 mit original 2226 ccm), 2,5 Liter Dieselblock (AEL aus Audi C4), komplett überarbeitet, Quadrathuber, zweifach verstellbare hohlgebohrte Nockenwellen, CNC bearbeiteter Zylinderkopf von Brennraum bis zu den Kanälen, Supertech Ventile, mechanischer Ventiltrieb, 82,5er Kurbelwelle, umgebaute Ölpumpe, H-Schaftpleuel, S1-ähnliches Nachbau Saugrohr, Umgebaute Ölwanne mit Schwallblechen, auf 70mm aufgespindelte Drosselklappe ohne Keil, zwei Porsche 997 GT2 RS Ladeluftkühler in Reihe geschalten, Garrett GTX35 1.06 Turbolader, BS-Worx Rohrkrümmer, frei programmierbare Steuerung, Wasserkühler Eigenanfertigung, Deutz Ölkühler, Servopumpe Mercedes A-Klasse, Suzuki-Lichtmaschine, Nuke Einspritzrail mit Aeromotiv Benzindruckregler, RS2 Wasserpumpe, einstellbares Nockenwellenrad, erleichterte Schwungscheibe sowie Tilgerscheibe, aus den Vollen gefrästes Kurbelwellenrad, Kabelbaum um 10 kg erleichtert, Lithium-Eisenphosphat Batterie 3kg mit Eigenbau-Batteriehalter, 2x Pierburg Benzinpumpe im Tank,
Leistung (max): 700 +-
Kraftübertragung: RS2-6-Gang Getriebe verstärkt, Getriebehalter aus dem Vollen gefräst, 6-Pad Sinterkupplung
Auspuff: 100-Zeller Kat, Eigenbauanlage in 89mm Edelstahl, Fox-Töpfe
Vorderachse: H&R Gewindefahrwerk (auf FZ-Gewicht abgestimmt), verstellbare Uniballdomlager, alles in Aluminium/PU gelagert, S2 Stabilisator,
Hinterachse: H&R Gewindefahrwerk, verstellbarer Uniball-Querlenker, komplett in PU gelagert, RS2 Stabilisator,
Bremsen:  R8 GT Keramikbremse, 380 mm/356 mm Scheiben, spezieller Handbremssattel an der HA
Felgen (Herst./Größe):  BBS Le Mans 154 in 8,5 x 19, LK 5x112 (wie S2)
Reifen (Herst./Größe): Hankook S1 Evo 1 in 225/35 19
Karosserie: Komplettrestauration, Kotflügel und Seitenteile um 2,5cm verbreitert, STW Italia Replika, Frontschürze ohne Nebelscheinwerfer (Replika Carbon Imitateinsätze), STW Frontlippe, STW Heckflügelerweiterung, Komplettlackierung (keine Folie), Bonrath Einarmwischer

Interieur: Porsche GT3-Sitze, Schroth 4-Punkt-Gurte, Heigo Käfig (Einzelanfertigung) ohne vordere Kreuzstrebe  geschüsseltes Momo Lenkrad, CAE-Shifter, Öldruckspeicher, ZV demontiert, Mittelkonsole mit Ladedruckanzeige sowie Display für Abgastemperatur, Ansauglufttemperatur, Lamda, Öldruckanzeige des Ölspeichers, Tachoerweiterung auf 9000rpm sowie 320kmh, Türverkleidungen in Alcantara bezogen, Rallye S1 Carbon Fußstütze, Beifahrerfüßstütze aus Carbon, Fußmatten inkl. Aufpolsterung in Alcantara, Carbon Handbremshebel,  Feuerlöscher im Kofferraum, Quattro Heckscheibe, Carbon überzogener Tankverschluss,
HiFi: -keine-
Danksagungen: Xaver Wick, Florian Speth, Dominik Lachenschmid, Stefan Lindenthal, Gerri Seidel sowie meinem Vater und auch bestimmt noch einigen die ich hier vergessen habe, die mich immer unterstützt haben wenn ich Hilfe brauchte, egal ob beim Zusammenbau oder dem mühevollen Entfernen der Teermatten. Ohne euch wäre es nur halb so schön gewesen dieses Auto zu bauen!

text & bilder: michael kolb

 
 
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