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 Irgendwie und Sowieso

Im Originalzustand erhaltenes TV-Fahrzeug der bayerischen Kultserie

Vor allem in Bayern erinnert man sich irgendwie gerne an die von Regisseur Franz Xaver Bogner geleitete Serie, in der Kabarettist Ottfried Fischer als „Sir Quickly“ seine ersten großen Erfolge feierte. Neben Bergers Barockengel, Sepps Buick Riviera und weiteren mobilen Stars spielte auch der Targa eine Rolle: Die Gräfin alias der 2009 verstorben Barbara Rutnik war in diesem Porsche 911 T Targa die Königin der Nacht.

Der von Tellux-Film GmbH produzierten Serie standen zwei identisch aussehende Porsche 911 Targa zur Verfügung. Eine ältere Dame aus München hatte ihren 911er der Filmgesellschaft als Ersatzfahrzeug angeboten, weil der für die Produktion vorgesehene Targa nicht immer greifbar war. Im Finale der Folge „Eine von uns“ fährt die attraktiv gekleidete Gräfin mit dem Targa (Kennzeichen M-DP 377) auf den Platzplatz einer Hochzeitsfeier, vor dem sich „Sir Quickly“ und seine Freundin Christl unterhalten. Eine von beiden Damen ist zuviel. Mit dem Worten „Komm, gehn wir“ schleppt die Gräfin Sir Quickly ab und Christl zieht enttäuscht von dannen.

Laut Recherchen des Besitzers Gerhard Polster befindet sich der Porsche bei ihm in vierter  Hand und war durchgehend in Deutschland zugelassen. Die ältere Dame hatte den in Blutorange lackierten Targa liebevoll „Speedy“ genannt, was durchaus seine Berechtigung hatte. Die Höchstgeschwindigkeit über  205 km/h sicherte ihm die Mitgliedschaft im elitären „Club 200“, vor über 45 Jahren ein imageträchtiger Wert, der nur von wenigen Sportwagen erreicht wurde. Nach dem der Porsche von der Erstbesitzerin verkauft wurde, blieb er in Bayern, genauer gesagt in Frankens Metropole Nürnberg. Dort gliederte ihn ein Oldtimerfreund in seine Sammlung ein.

Der 1970er Targa mit dem auf 2195ccm aufgebohrten Motor zählt zur ab August 1969 lancierten C-Serie, die ein Jahr später in einigen Details verfeinert wurde. Die 125 PS starke Maschine des T-Modells agierte sozusagen als Sparmodell mit Vergaser, während 911 E und 911 S bereits mit Bosch Saugrohreinspritzung ausgeliefert wurden. Nach den Werksferien 1971 wuchs der Hubraum auf 2341 ccm, womit das T-Modell 130 PS aufweisen konnte.

„Von jeder luftgekühlten Baureihe von 356 bis 993 ein Fahrzeug“ definiert Patrick das Ziel, dass sein Vater und er gesteckt haben. Der 911 T Targa füllte somit die familieninterne Lücke.  Ausgerechnet vor der ersten Ausfahrt brach das Hinterachsrohr an der, womit die dritte Karriere recht unglücklich begann. Es ist eine bekannte Krankheit der alten 911er, dass sich Kondenswasser im Rohr sammelt und durch die Spannung der Drehstäbe irgendwann aufbricht. Die renommierte Firma Knoll aus Welshofen kümmerte sich um die Behebung des Schadens. Seitdem funktioniert der im Serienzustand verbliebene Targa tadellos. Mit Sicherheit zieht der 2,2 Liter Vergaser mit für Porsche-Verhältnisse mageren 125 PS keine Wurst vom Teller. Muss er auch nicht, denn Veranstaltungen wie die ADAC Euregio-Egrensis-Oldtimer-Ausfahrt des MSC Marktredwitz oder ähnliche verlangen keine Höchstleistung.

Die geschmiedeten Fuchsfelgen besitzen in der Szene einen ähnlichen Status wie die Stahlfelgen von Kronprinz (KPZ). Wertsteigung ist garantiert. Selbst für Felgen im schlechten Zustand werden hohe Summen aufgerufen. Zwar legte Fuchs die Felge neu auf, doch ausschließlich in den Größen von 17 bis 19 Zoll für moderne Fahrzeuge. In  6x15 Zoll gilt die Fuchsfelge als Kult, von denen die Polsters ein gutes Lager angelegt haben. Mit 195/65er anstatt 185/70er Bereifung  erhielt ihr Targa eine dezente Aufrüstung

Zwei werksseitig angebotene Optionen besitzt das Auto: Die Schürze des 911 S und den Heckwischer. Die Edelstahl-Auspuffanlage von Eisenmann ersetzte den Original-Auspuff, nachdem sich dieser im wahrsten Sinne des Wortes aufgelöst hatte .Über den tadellosen Zustand des unrestaurierten Fahrzeugs kann man sich nur wundern: Es ist ein Survivor ohne übliches Patina.

 Das Targadach zeigt sich ebenso wie die kompletten Chrompartien neuwertigen Zustand. Selbst die Sitze sind noch nie aufgepolstert oder bezogen worden. „Man spürt es nur, dass die Sitze 45 Jahre als sind“ bemerkt Patrick. Der Tacho zeigt lediglich 32.239 Kilometer an und es ist kaum vorstellbar, dass er eine Umrundung hingelegt hat. „Ein Serviceheft war beim Kauf nicht dabei, sonst wäre der Porsche mit Sicherheit um mindestens 5000 €uro teuerer gewesen“.

Typ: Porsche 911T Targa
Baujahr: 1970 (EZ 9/1970)
Karosseriebauweise: Stahlblech, selbsttragend, 2-Türen
Werkslackierung: Blutorange 2310 (Kunstharzlack 2323)
Interieur   originale Kunstlederausstattung in Schwarz
Motor:  luftgekühlter 6-Zylinder Boxer,
Gemischaufbereitung; 2 Dreifach-Fallstromvergaser Solex/Zenit
Ventilsteuerung: 2 Ventile pro Zylinder, obenliegende Nockenwelle
Hubraum: 2195 ccm (84x66mm)
Verdichtung: 8,6:1
Auspuff: Edelstahl von Eisenmann
Motorleistung: 125 PS
Bremsanlage:  Zweikreis-Hydraulik-Scheiben, 282,5 mm vorne, 290 mm hinten
Radaufhängung vorn: Einzelradaufhängung an Querlenkern, und Dämpferbeinen
Radaufhängung vorn: Einzelradaufhängung an Schräglenkern, querliegende Torsionsfederstäbe
Getriebe:  manuelles Fünfgang Typ 911/01
Felgen:  geschmiedete Fuchs Felgen 6x15 Zoll
Bereifung: Nokian 195/65 VR 15
Sonstiges:  S Frontschürze (ab Werk), Option Heckscheibenwischer

 Anfang Juni erhielt ich einen Anruf aus Herten, bei dem ich unter anderem gefragt wurde, ob ich Artikel für die Audi- und Porsche Scene produzieren könnte. Porsche auch? Fragte ich vorsichtshalber nach. Auf der Stelle setzte ich mich mit Patrick Polster in Verbindung, den ich via Carsten Müller (VW Bus T3) und bei der 964 Carrera 2 Session für TEV im Herbst letzten Jahres kennengelernt hatte. Bei einem Sichtungsbesuch am 10. Juni stellte mir Patrick acht Porsche vor. Für meine Premiere in der Porsche Scene wählte ich „Speedy“ aus, da ich von der TV-Serie „irgendwie und sowieso“ begeistert bin. Glücklicherweise begann ich direkt nach der Fotosession das Datenblatt aufzustellen und die ersten Zeilen zu schreiben. "Ob ich das Auto innerhalb von 3 Tagen abgeben könnte", wurde ich gefragt.  Am 1. Juli, kurz vor Redaktionsschluss, erhielt ich von Patrick die Korrekturgelesene Geschichte zurück. Es freut mich unbandig, dass es für diese Ausgabe geklappt hat.

michael kolb für Porsche Scene 4/2015

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